03.03.2021 – Weniger Verkehrsunfälle

Reutlingen (pol) – Deutlich weniger Verkehrsunfälle, weniger Verletzte und weniger Verkehrstote. Rückgänge in fast allen Unfallkategorien – aber: Deutlicher Anstieg der Fahrradunfälle.

Die Zahl der Verkehrsunfälle im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Reutlingen ist im vergangenen Jahr um 18,4 Prozent auf 28.950 gesunken. Hier schlägt sich auch das durch die Auswirkungen des Pandemiegeschehens geringere Verkehrsaufkommen nieder. Der Rückgang der Unfälle, bei denen Personen zu Schaden kamen, liegt bei 14,9 Prozent, der Rückgang bei den Sachschadensunfällen bei 18,8 Prozent.

Bei 28 Unfällen verloren im vergangenen Jahr 29 Menschen ihr Leben, fünf weniger als im Jahr 2019. Unter den tödlich Verunglückten waren 13 Pkw-Insassen, acht Radfahrer, fünf Fußgänger und drei Motorradfahrer. Während im Zollernalbkreis mit fünf Pkw-Fahrer, zwei Fußgängern und einem Radfahrer wie im Jahr 2019 acht Personen starben, hat sich die Zahl der Todesopfer im Landkreis Esslingen von zehn auf neun verringert. Darunter befanden sich zwei Pkw-Lenker, drei Fußgänger, drei Radfahrer und ein Motorradfahrer. Im Landkreis Reutlingen waren fünf Todesopfer – drei Pkw-Lenker, ein Fußgänger und ein Motorradfahrer – zu beklagen. 2019 waren es acht Verkehrstote gewesen. Im Landkreis Tübingen verloren sieben Menschen ihr Leben – zwei Pkw-Lenker, ein Beifahrer, drei Radfahrer und ein Motorradfahrer. 2019 waren es acht Verkehrstote gewesen.

Ein erfreulicher Rückgang ist bei den Schwerverletzten zu verzeichnen. War die Zahl bereits im Jahr 2019 um 5,5 Prozent gefallen, so wurde im Jahr 2020 ein weiterer Rückgang um acht Prozent auf 630 verzeichnet. Die Entwicklung in den Landkreisen ist jedoch uneinheitlich (Lkrs. Esslingen minus 12,9 Prozent, Lkrs. Reutlingen minus 25,1 Prozent, Lkrs. Tübingen plus 19,3 Prozent, Zollernalbkreis plus 7,1 Prozent). Die Zahl der Leichtverletzten verringerte sich in allen Landkreisen um insgesamt 21,9 Prozent bzw. um 847 auf 3.019. (Lkrs. Esslingen minus 21 Prozent, Lkrs. Reutlingen minus 24,8 Prozent, Lkrs. Tübingen minus 15,8 Prozent, Zollernalbkreis minus 26,6 Prozent).

Unfallursachen:

Die detaillierte Auswertung der 11.527 über die reinen Kleinstunfälle hinausgehenden Unfälle ergab als häufigste Ursache 1.929 Vorfahrtsverstöße, 1.677 Mal Fehler beim Abbiegen, Wenden oder Rückwärtsfahren, gefolgt von 805 Abstandsverstößen und 453 Mal überhöhte oder nicht angepasste Geschwindigkeit. Mangelnde Verkehrstüchtigkeit (Alkohol/Drogen/Medikamente, medizinische Ursachen, Übermüdung) schlug mit 536 Fällen zu Buche. Dabei sticht die Ursache Alkohol mit 371 Unfällen besonders heraus. 311 Mal wurden Fehler beim Überholen als Ursache registriert.

Je schwerer die Unfallfolgen sind, desto mehr kommt naturgemäß als Ursache Geschwindigkeit zum Tragen. Jeder siebte Verkehrsunfall mit schweren Personenschäden (Toten oder Schwerverletzten) geht auf das Konto Geschwindigkeit. Bei fünf der 28 tödlichen Unfälle war Geschwindigkeit ursächlich oder mitursächlich.

Bei ihren Geschwindigkeitskontrollen registrierte die Polizei 2020 rund 50.700 Verstöße, was zu 1.260 Fahrverboten führte. Außerdem deckten die Beamten bei ihren schwerpunktmäßig durchgeführten Gurtkontrollen rund 7.000 Verstöße auf. Zudem wurden 446 nicht ordnungsgemäß gesicherte Kinder beanstandet und rund 7.300 Handyverstöße zur Anzeige gebracht.

Unfälle unter Alkoholeinfluss:

Deutlich zurückgegangen sind die alkoholbedingten Unfälle in allen Landkreisen. Lag die Zahl 2019 noch bei insgesamt 454, wurde 2020 ein Rückgang um 18,3 Prozent auf 371 verzeichnet (Lkrs. Esslingen minus 23,6 Prozent, Lkrs. Reutlingen minus 17,9 Prozent, Lkrs. Tübingen minus 9,2 Prozent, Zollernalbkreis minus 13,4 Prozent). Wie im Jahr 2019 ging auch 2020 weit über ein Drittel der alkoholbedingten Unfälle mit Personenschäden einher. Ein Mensch starb (2019: sechs), die Zahl der Schwerverletzten stieg von 49 auf 66, die Zahl der Leichtverletzten ging von 159 auf 112 zurück.

Unfälle unter Drogeneinfluss:

Von 64 auf 72 und damit um 12,5 Prozent sind die Unfälle gestiegen, die durch Drogeneinfluss verursacht wurden. Eine Person (2019: keine) starb, zehn Menschen – drei mehr als im Vorjahr – wurden schwer, 15 und damit fünf weniger als 2019 wurden leicht verletzt. Im Rahmen der polizeilichen Verkehrsüberwachung wurden 1.265 Fahrzeugführer zur Anzeige gebracht, weil sie alkoholisiert unterwegs waren, und 780 Fahrer, weil sie Drogen genommen hatten.

Zweiradunfälle:

Im Bereich der Zweiradunfälle (alle motorisierten Zweiräder – vom Mofa bis zum schweren Motorrad) wurde nach dem Rückgang im Jahr 2019 auch 2020 ein weiterer Rückgang um 13,9 Prozent auf 665 verzeichnet. Drei Zweiradfahrer (zwei davon Motorradfahrer) starben. Im Vorjahr waren es sechs gewesen. Sowohl die Zahl der schwer verletzten Zweiradfahrer (minus 24,2 Prozent), als auch die Zahl der Leichtverletzten (minus 18,1 Prozent) ging zurück.

Betrachtet man im Bereich der Zweiradunfälle explizit die darin enthaltenen Unfälle mit Motorrädern (ab 125 ccm), deren Zahl sich bereits im Jahr 2019 um 9,7 Prozent verringert hatte, so wurde im Jahr 2020 ein weiterer Rückgang um 12,7 Prozent auf 455 Unfälle registriert. 2020 wurden zwei Motorradfahrer getötet (einer im Lkrs, Reutlingen, einer im Lkrs. Tübingen). 2019 waren es fünf gewesen. Mit 100 waren im gesamten Präsidiumsbereich 32 schwer verletzte Motorradfahrer weniger als 2019 zu beklagen. Die Zahl der leicht verletzten Motorradfahrer ging um 13,8 Prozent auf 249 zurück. 143 Motorradfahrer verunglückten ohne Fremdbeteiligung. Bei speziellen Kontrollaktionen auf den beliebten Ausflugsstrecken wurden in der Motorradsaison 726 Biker beanstandet, fast 400 davon wegen überhöhter Geschwindigkeit und Überholverstößen, rund 200 Mal wurden technische Mängel festgestellt.

Unfälle mit Radfahrern:

Lag die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Fahrradfahrern bereits 2019 mit 1.209 auf dem Höchststand im Fünfjahresvergleich, so stieg die Zahl im Jahr 2020 noch einmal um 12,5 Prozent auf 1.360 an. Bei 535 Unfällen waren Radfahrer ohne Beteiligung weiterer Verkehrsteilnehmer verunglückt. Acht Radfahrer starben (2019: fünf). Alle waren mit Pedelecs unterwegs gewesen. 233 Radfahrer – 52 mehr als im Vorjahr (plus 28,7 Prozent) – wurden schwer verletzt. Darunter befanden sich 80 Pedelecfahrer. Die Zahl der Leichtverletzten stieg um 53 oder 6,3 Prozent auf 899 – davon 249 Pedelecfahrer – an. Die wachsende Beliebtheit der Pedelecs schlägt sich bereits seit vielen Jahren in der Unfallstatistik nieder. Die Unfälle mit dieser Art Fahrrad stiegen im Jahr 2020 überproportional um 42,7 Prozent auf 381 an.

Unfälle mit Fußgängern:

Die Fußgängerunfälle und folglich auch die Zahl der dabei verunglückten Personen gingen deutlich zurück. Waren es 2019 noch 391 Unfälle gewesen, fiel die Zahl im Jahr 2020 um 105 (minus 26,9 Prozent) auf 286. Fünf Fußgänger (2019: sechs) mussten ihr Leben lassen. Die Zahl der Schwerverletzten verringerte sich von 67 auf 50. Mit 178 wurden 101 Fußgänger weniger als im Vorjahr leicht verletzt.

Unfälle mit Kindern:

Um 23 und damit um 9,8 Prozent auf 212 sind die Verkehrsunfälle zurückgegangen, in die Kinder (bis 13 Jahre) verwickelt waren. Erfreulicherweise war im Vergleich zum Vorjahr, als ein Kind ums Leben gekommen war, kein Todesfall zu beklagen. Unverändert blieb mit 27 die Zahl der schwer verletzten Kinder. 211 Kinder (2019: 266) wurden leicht verletzt.

Schulwegunfälle:

Die Schulwegunfälle (mit Schülern zwischen sechs und 17 Jahren, sofern sie selbst aktiv am Straßenverkehr teilnahmen und nicht nur Beifahrer waren) nahmen um 40 Prozent auf 27 ab. Ein Schüler wurde schwer verletzt. 2019 waren es sechs gewesen. 26 Schüler (minus 38,1 Prozent) erlitten leichte Verletzungen.

Unfälle mit jungen Erwachsenen:

Die Bilanz der Verkehrsunfälle mit Beteiligung „junger Erwachsener“ (18 bis 24 Jahre) weist deutlich weniger Unfälle und weniger Getötete und Verletzte auf. Die Gesamtzahl der Unfälle fiel um 545 oder 20,2 Prozent auf 2.156. Fünf Menschen, darunter drei junge Erwachsene, starben. 2019 waren es 12 Todesopfer – darunter vier junge Erwachsene – gewesen. Um insgesamt 18 sank die Zahl der Schwerverletzten auf 131. Leicht verletzt wurden 749, das sind 293 weniger als im Jahr zuvor.

Unfälle mit Senioren:

Erhebliche Rückgänge um 19,5 Prozent auf 2.398 waren auch bei den Unfällen mit Senioren ab 65 Jahren zu verzeichnen. Nach 2019, als bei diesen Unfällen 18 Menschen ums Leben gekommen waren, starben 2020 13 Personen, darunter elf Senioren. Insgesamt 160 Menschen (2019: 208) wurden schwer, 667 (2019: 861) leicht verletzt.

Lkw-Unfälle:

Die Unfälle, an denen Lkw beteiligt waren, gingen um 21,6 Prozent auf 959 zurück. Vier Menschen (2019: sechs) wurden tödlich, 52 schwer und 193 leicht verletzt.

Unfallfluchten:

Korrespondierend zum rückläufigen Unfallgeschehen war auch die Zahl der Unfallfluchten rückläufig. Sie ging um 21,9 Prozent auf 5.869 zurück. Unverändert ist aber wie in den vergangenen Jahren festzustellen, dass nach wie vor bei jedem fünften Unfall ein Beteiligter – meist der Verursacher – vom Unfallort flieht. Jede dritte dieser Straftaten konnte aufgeklärt werden. In 135 Fällen wurde der Einfluss berauschender Mittel nachgewiesen. Von einer erheblichen Dunkelziffer ist hier aber auszugehen. Die Aufklärungsquote bei den 188 Unfallfluchten nach Unfällen mit Personenschaden, bei denen zwei Personen starben, 14 schwer und 190 leicht verletzt wurden, lag bei 42 Prozent.

Polizei setzt auf Kontrollen und Prävention

Im Jahr 2020 konnten pandemiebedingt leider viele bewährte und fest eingeplante Präventionsaktionen nicht stattfinden. Besonders bedauerlich war dies für die Vorschulkinder und Erstklässler. Vorstellungen der Polizeipuppenbühnen zur Schulwegsicherheit mussten abgesagt werden. Um diese Ausfälle zu kompensieren, wurden durch die Experten der Verkehrsprävention beim Polizeipräsidium Reutlingen kindgerechte Puppenspielsequenzen aufgenommen und landesweit den Kindereinrichtungen, Grundschulen und Eltern digital zur Verfügung gestellt. Außerdem wurden die praktischen Lerngänge bei Vorschulkindern intensiviert und – wo immer möglich – in Kleingruppen durchgeführt. Die „Aktion sicherer Schulweg“ konnte zum Schuljahresbeginn im September wieder planmäßig mit Schulwegüberwachungen und Kontrollen im gesamten Präsidiumsbereich gestartet werden.

Für die im ersten Halbjahr abgesagten, praktischen Radfahrausbildungen der Viertklässler wurden alternativ Angebote geschaffen, damit Eltern mit ihren Kindern die Inhalte selbst erlernen und einüben können. Sie erhielten kostenlosen Zugang zur digitalen Lernplattform der Landesverkehrswacht Baden-Württemberg. Darüber hinaus wurden die praktischen Lerninhalte in öffentlich abrufbaren Videosequenzen übermittelt. In Kooperation mit den Kreisverkehrswachten wurden im Sommer außerschulische Übungsangebote für Eltern mit ihren Kindern und unter Einhaltung strenger Hygieneregeln in allen vier Landkreisen im Präsidiumsbereich auf ausgewählten Schulungsplätzen durchgeführt. Zum Schuljahresbeginn im September konnten die praktischen Radfahrausbildungen der neuen Viertklässler planmäßig starten und bis Dezember durchgeführt werden. Ebenso konnten auch wieder Schulbustrainings mit Fünftklässlern, Präventionsprojekte mit Sechstklässlern und die speziellen Unterrichte und Workshops an Oberstufen und Berufsschulen für die Risikogruppe der Fahranfänger und Jungen Fahrer stattfinden.

Präventionsaktionen für die Zielgruppen der Senioren und der Motorradfahrer mussten Corona-bedingt im Jahr 2020 leider entfallen. Diese sollen, sofern es die Pandemielage erlaubt, 2021 wieder aufgenommen werden.

Dem Unfalllagebild angepasst werden im Jahr 2021 die Themen Radfahrer, Pedelec-/E-Bikefahrer, aber auch Elektrokleinstfahrzeuge im besonderen Fokus der Verkehrssicherheitsarbeit beim Polizeipräsidium Reutlingen stehen.